Start Projektberichte Treffen der Betreiber von Lachs- und Meerforellenprojekten im Wesergebiet am 21.10.2001
Treffen der Betreiber von Lachs- und Meerforellenprojekten im Wesergebiet am 21.10.2001 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andy Krüger   
Montag, den 22. Oktober 2001 um 18:55 Uhr

 

Mitorganisator Günter Ohnesorge Vorsitzender der Fischereigenossenschaft "Leine II." Am 21.10.2001 trafen sich in Gronau (Leine) die Betreiber von Lachs- und Meerforellenprojekten im Wesergebiet. Auslöser dieser spontanen Idee von Ede Brumund – Rüther, Sprecher der AFGN, war, dass sich Gerd Holdensgard von „Danmarks Center for Vildlaks“ zu einem Besuch im Leinegebiet angemeldet hatte. Schließlich wollte sich Gerd Holdensgaard selbst überzeugen, wie sich seine Lachse in der Leine machen und welche Lebensbedingungen sie dort vorfinden. Während der ersten Besatzmaßnahme im kürzlich angelaufenen Programm „Leine-Lachs 2001“ war das Wasser leider zu trüb und die Zeit zu knapp, so dass eine Beurteilung der Lebensbedingungen nicht möglich war.

Alle Betreiber, so die Grundidee dieser Veranstaltung, sollten die Chance bekommen, wertvolle Erfahrungen dieses Profis in Sachen Lachsmanagement mit nach Hause zu nehmen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war sicherlich der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Betreibern. Nur wenn man voneinander weiß, kann man gemeinsam Probleme angehen.

Nach der Vorstellung der einzelnen Projekte wurde anhand sich gleichender Probleme der Maßnahmenträger schnell klar, dass die Zusammenarbeit in einer geeigneten Arbeitsgemeinschaft wie der AFGN über Erfolg bzw. Misserfolg entscheiden kann.
Die Probleme der Betreiber sind durchaus keine neuen Probleme. Neue Verbauungen durch Wasserkraftwerke, fehlende Durchgängigkeit usw., nichts Neues also. Anhand der vorgenannten Beispiele kann man aber sehen wie langsam, mühselig und nervraubend die Beseitigung dieser seit langem bekannten Probleme ist. Hier gilt es gemeinsam Druck auf die entsprechenden Stellen aufzubauen. Es gibt aber auch erfreuliche Ereignisse bei den verschiedenen Projekten die hoffen lassen, so haben sich bei fasst allen Projekten bereits Rückkehrer eingestellt.

Zweiter großer Tagesordnungspunkt war die Vorstellung der in Dänemark gemachten Erfahrungen in Sachen Lachsmanagement. Die Referenten für dieses Thema waren keine geringeren als Gerd Holdensgard, leitender Direktor von „Danmarks Center for Vildlaks“ und sein Biologe Sören Thomassen.


Zuerst wurden die Auen vorgestellt in denen Lachsprogramme laufen. In Dänemark werden alle Wasserläufe die in die Nordsee entwässern (Skjern Å, Stor Å, Varde Å, Sneum Å, Konge Å , Ribe Å und Brede Å) mit dem noch natürlich vorhandenen Lachsstamm der Skjern Å besetzt. Da sich die Bestände in der Skjern Å  zwar schon selbst reproduzieren, aber noch lange nicht als stabil bezeichnet werden können, werden sie immer noch durch Besatzmaßnahmen gestützt. Dem Skjern - Lachs auf die Sprünge hilft hier eine der beiden Brutanlagen von „Danmarks Center for Vildlaks“. In dieser Station wird ausschließlich mit dem Skjern Å – Stamm gearbeitet, so dass eine Vermischung des Erbmaterials mit einer großen Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist.

Die zweite Station vom DCV ist in Randers angesiedelt, ganz in der Nähe der Guden Å die in das Kattegat entwässert. Da in der Guden Å leider kein ursprünglicher Lachsstamm mehr vorhanden war, wurde hier mit importierten Lachsstämmen aus Schweden (Ätran) und Irland (Corrib, Burrishole und Conon) gearbeitet. Auch hier wird auf die genetische Reinheit innnerhalb der Brutanlage geachtet. Durch die Markierung der Fische und DNA Untersuchungen wird sichergestellt, dass bei den gefangenen Elterntieren keine Kreuzungen innerhalb der Brutanlage vorgenommen werden. Die Zucht in beiden Anlagen basiert auf Eiern von Rückkehrern, die in den Flüssen gefangen wurden, Eiern von sogenannten rekonditionierten Lachsen sowie von Lachsen, die bis zu ihrer Geschlechtsreife aufgezogen wurden. Dies garantiert eine genügend hohe Anzahl an Brutfischen sowie eine ausreichende genetische Variabilität.

Sören Thomassen, Biologe von „Danmarks Center for Vildlaks“Sören Thomassen stellte anschließend die in Dänemark vorgeschriebenen Besatzpläne vor, die vor jedem Lachsbesatz aufgestellt werden müssen. Hierzu werden zuerst einmal die Flüsse auf ihre Eignung untersucht, bewertet und anschließend kartiert. Für die Bewertung gibt es ein Bewertungssystem von 0 = gering geeignet bis 5 = sehr gut geeignet. Die Bewertungskriterien sind beispielsweise, Wasserführung, Fließgeschwindigkeit, Wasserqualität und die Bodenstruktur. Die Bewertung soll also die Lebensbedingungen der Junglachse wiederspiegeln, um so auf die Bestandsdichte rückschließen zu können. Der Fluss wird natürlich nicht am Stück bewertet, sondern in einzelne Abschnitte aufgeteilt und anschließend kartiert. Als nächster Schritt wird dann der Istbestand des jeweiligen Abschnitts ermittelt. Mit Hilfe einer einfachen Formel wird nun der Sollbestand des Abschnitts errechnet, die Differenz wird schließlich besetzt.
Eine weitere Besonderheit in Dänemark ist , dass 5 Jahre lang besetzt wird und danach die Besatzmaßnahmen für ein Jahr unterbrochen werden um die sich einstellenden Rückkehrer und die natürliche Reproduktion evaluieren zu können.

Gerd Holdensgard erläuterte dann einen 4 Stufenplan zur erfolgreichen Wiederansiedlung einer Lachspopulation. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung des Planes:

Strategie für den Wideraufbau des Lachsbestandes

Stufe 1: Einbringen des Genmateriales        3 bis 5 Jahre

- Massives Aussetzen von Lachsjährlingen (Smolts und Parrs)
- Anwendung von 2 bis 3 Stämmen
- DNA-Analyse von geangelten Rückkehrern

Wenn mehrere Lachsjahrgänge (1sw, 2sw und 3sw) zurückkehren, wird mit dem Einfangen von Elterntieren begonnen.

Stufe 2: Einbringen des Genmateriales + Abstreifen der Elterntiere    3 bis 5 Jahre

- Die Elterntiere werden für die künftige Produktion von Lachsjährlingen abgestriffen Einbringen von halbjährigen Junglachsen  und Brütlingen  in einem größeren Gebiet.
- E-Fischen zur Überprüfung des natürlichen Laichs.
- Alle eingefangenen Lachse werden DNA-analysiert.

Wenn das Einfangen von Elterntieren mehr als 50 Paare pro Stamm ausmacht, wird die Genintroduktion abgeschlossen.

Stufe 3: Abstreifen der Elterntiere + Stammauswahl               3 bis 5 Jahre

- E-Fischen zur Überprüfung des natürlichen Laichs.
- Stammauswahl auf Grundlage des Ergebnis der DNA-Analysen.
- Geringerer Besatz von Lachsjährlingen, die gekennzeichnet werden.
- Verstärkter Besatz von halbjährigen Junglachsen  und Brütlingen.

Wenn die natürliche Reproduktion der Menge der ausgesetzten Junglachses entspricht, wird der Fremdbesatz stufenweise reduziert.

Stufe 4: Selbst-reproduzierender Lachsbestand

- E-Fischen zur Überprüfung des natürlichen Laichs.
- Geringer Besatz von gekennzeichneten Lachsjährlingen als Kompensationsbesatz für die Verluste durch die Fischerei.

Das bei allem Enthusiasmus die wirtschaftliche Betrachtung eines Projektes wichtig ist, stellte Gerd Holdensgard anschließend vor. Anhand eines Rechenbeispiels  veranschaulichte er, dass die nicht unbegrenzt vorhandene Ressource Geld, optimal bei einem Wiederansiedlungsprogramm eingesetzt werden sollte. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es günstiger zu Beginn eines Projektes mit Smolts als Besatz zu arbeiten, da ein Brütlingsbesatz das vielfache, hochgerechnet auf einen Rückkehrer, kosten würde.

Ede Brumund – Rüther schloss dann die interessante Veranstaltung mit dem Resümee, das derartige Veranstaltungen unbedingt wiederholt werden müssen und unterstrich noch einmal die Wichtigkeit der Zusammenarbeit aller Beteiligten der Wiederansiedlungsprogramme.

Andy Krüger
AG „Leine – Lachs 2001“
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 09. März 2010 um 18:58 Uhr